"Es war schwierig, kein leichtes Thema, und wir haben es uns nicht einfach gemacht. Am Ende hat es sich aber gelohnt", äußerte Martin Heering im Rückblick auf seine Regiearbeit zu "Assassinen". Und in der Tat: Der Aufwand zahlte sich aus. Für das Drei-Personen-Theaterstück, dem der 33-Jährige zur Bühnenreife verhalf, gab es den mit 5000 Euro dotierten 1. Leipziger Bewegungskunstpreis.Für Martin Heering war die Preisvergabe-Premiere am vergangenen Freitagabend ein Heimspiel. Seit 2002 fungiert er als Geschäftsführer des LOFFT im Theaterhaus am Lindenauer Markt, wo der Festakt im Beisein zahlreicher Vertreter der Freien Szene und Kulturbegeisterter über die Bühne ging. Ein Theater zu leiten und darüber hinaus künstlerisch tätig zu sein - dieser doppelten Herausforderung zollte Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat uneingeschränkten Respekt, ebenso dem Zustandekommen des Preises durch private Unternehmer, die in bester Leipziger Bürgertradition zu Unternehmenden und Förderern der Freien Kunst wurden.
Ebenfalls keiner leichten Aufgabe hatten sich die Juroren, fünf Leipziger Kulturexperten und Medienvertreter, zu stellen. Sie mussten in den Wochen zuvor aus dem "Reichtum hiesiger Bühnenkunst" den Favoriten küren. Dass "Assassinen", ein Stück über das Phänomen des religiösen Selbstmordattentates, schließlich das Rennen machte, lag unter anderem an der "klugen und eindringlichen Behandlung eines diffizilen und aktuellen Themas", so Jury-Mitglied Dr. Janine Schulze vom Leipziger Tanzarchiv in ihrer Laudatio.
Der Bewegungskunstpreis, den der 2004 gegründete Leipziger Bewegungskunst e. V. künftig jährlich an herausragende Produktionen der aktuellen Spielzeit vergeben möchte, sei ein klares Bekenntnis zur darstellenden Kunst in der Pleißestadt. Diese Sparte bleibe leider allzu oft hinter Musik und bildender Kunst zurück, bedauerte Vereinsvorsitzender Ronald Schubert. Er wünsche sich, dass von dem Preis ein Signal ausgeht, fernab von öffentlicher Leuchtturmpolitik privates Engagement zu zeigen - zumal die Freie Szene, die seit Jahren teils erhebliche Kürzungen öffentlicher Zuschüsse hinnehmen muss, mehr denn je auf Sponsoren angewiesen ist. So erlebten die prämierten "Assassinen" - obwohl das Stück Martin Heering zufolge überraschend erfolgreich lief - auch aufgrund finanzieller Zwänge nur drei Aufführungen in Leipzig. Daran könne der Bewegungspreis vielleicht etwas ändern, hofft Dr. Janine Schulze. "Machen Sie was draus", ermunterte denn auch Helga Pappelbaum, Geschäftsführerin des Leipziger Anzeigenblatt Verlages (LAV) und Initiatorin des Preises, den Wettbewerbssieger bei der Übergabe der von Alexander Amm entworfenen und von Kunstschmied Theo Braun realisierten Metallfigur.
Hauptsponsor des Preises, der die drei künstlerischen Ausdrucksformen Tanz, Theater und Performance symbolisiert, sind der LAV, Herausgeber der Leipziger Rundschau und des SachsenSonntag, und dessen Kunden, die dafür Sorge tragen, dass der Bewegungskunstpreis auch nach seiner Premiere nicht in der Versenkung verschwindet. So werde ein Teil der beim 15. Verlagsfest am 28. September erzielten Erlöse aus Versteigerung und Tombola den Grundstock bilden, welcher die Freie Szene auch 2006 in Bewegung hält, verspricht Helga Pappelbaum. Ronald Schubert hofft indes auf weitere Förderer, durch deren Unterstützung dann zusätzlich zweit- und drittplatzierte Produktionen prämiert werden können.
hb
Informationen zum Leipziger Bewegungskunst e.V. und zur Bewerbung um den 2. Bewegungskunstpreis gibt es im Internet unter www.bewegungskunst-leipzig.de


Von Klassik bis Karate, von Jazz bis Jugendstil: Unsere Veranstaltungs- datenbank hat die Termine für Ihr Vergnügen.
Klassenkameraden gesucht - Teilnahmecoupon