Lang ersehnter Fördermittelbescheid ermöglicht umfangreiches Bauvorhaben.Mit einem Fördermittelbescheid des Freistaates über 7,8 Millionen Euro in der Tasche suchte Regierungspräsident Walter Christian Steinbach kürzlich die Leipzig International School auf.An Christopher Smith, den Vorstandsvorsitzenden der Schule, gewandt, räumte er freimütig ein: "Sie wissen gar nicht, was für ein Stein uns vom Herzen fiel, dass es nun klappte." - "Uns auch!" lautete dessen prompte und nur allzu verständliche Ergänzung. Endlich, nach einer Wartezeit von 25 Monaten, ist dem Antrag auf Realisierung der Ganztagsschulmaßnahme seitens der Behörden stattgegeben worden. Die bewilligten 7,8 Millionen Euro sind bitter nötig, denn rein äußerlich ist mit dem ehemaligen Goerdeler-Gymnasium in der Könneritzstraße wahrlich kein Staat zu machen. Und für die derzeit 430 Schüler gibt es hinsichtlich der Räumlichkeiten bei der Realisierung des Ganztagsschulkonzeptes auch reichlich Handlungsbedarf.
Die Freude des Regierungspräsidenten über den nun in greifbare Nähe rückenden Sanierungsbeginn ist vor allem in der Bedeutung der Bildungseinrichtung für Leipzig und Mitteldeutschland begründet. Die Schule trage wesentlich zur Internationalisierung bei, was wichtig sei, denn "eine Stadt ohne internationale Kultur kann nicht reich werden". Immerhin entstammen die Schüler der Leipzig International School 42 unterschiedlichen Nationen. Darüber hinaus gilt eine derartige Bildungseinrichtung - International Schools gibt es deutschlandweit gut ein Dutzend - als "weicher Standortfaktor". Das heißt: International agierende Unternehmen legen ihrer Entscheidung über eine Ansiedlung auch Kriterien wie die Bildungsmöglichkeiten für Kinder aus Ingenieurs- und Managerfamilien zugrunde, denen internationale Mobilität - eben auch beim Schulbesuch des Nachwuchses - wichtig ist. Deshalb ist die Unterrichtssprache ab der ersten Klasse auch Englisch, unterrichten vorwiegend englische Muttersprachler an der International School, basiert der Unterricht auf internationalen, weltweit anerkannten Lehrplänen.
"Weicher Standortfaktor"
Die Bedeutung einer International School für Leipzig war schon unmittelbar nach der politischen Wende erkannt worden. So gründete sich 1991 unter maßgeblicher Beteiligung des damaligen Generalkonsuls der USA, Todd Becker, und des ersten "Nach-Wende"-Oberbürgermeisters, Hinrich Lehmann-Grube, ein Trägerverein. Bereits im Jahr darauf konnte der Schulbetrieb aufgenommen werden - mit acht Kindern in einem Privathaus in der Gohliser Kirschbergstraße. Der Schülerzuwachs erforderte den Umzug zunächst in die Ratzelstraße nach Grünau und schließlich - 2003 - in die Könneritzstraße. Doch damit ist die Odyssee noch nicht beendet. Schüler und Lehrer werden noch einmal Kisten und Koffer packen müssen. Denn dank des Fördermittelbescheides können die Baumaßnahmen in Schleußig, die keinen parallel stattfindenden Lehrbetrieb zulassen, im Juni starten. Als Ausweichquartier - voraussichtlich für eineinhalb Jahre - favorisiert der Vorstand ein leer stehendes Schulgebäude in Schönefeld.
Lücke von 3 Millionen Euro
Doch bis dahin hat der Vorstand noch eine harte Nuss zu knacken. Spätestens im Juli ist der bei einem Investitionsvolumen von 11,8 Millionen Euro gesetzlich geforderte Eigenanteil von 3 Millionen Euro vorzuweisen. Hierfür wurde vom Förderverein der Leipzig International School der New Building Fund ins Leben gerufen, der aus Spenden und Sponsorengeldern gespeist werden soll.
Das Areal des früheren Goerdeler-Gymnasiums wird nach den Baumaßnahmen - diese sollen im Oktober 2007 ihren Abschluss finden - kaum wiederzuerkennen sein. Die Pläne erarbeitete das Architektenbüro Fuchshuber & Partner, die Bauleistungen werden international ausgeschrieben. Das denkmalgeschützte Schulgebäude wird in neuem Glanz erstrahlen. Dort werden im Erdgeschoss der Kindergarten untergebracht, darüber die Unterrichtsräume. Jene für Musik und Kunst sollen im ausgebauten Dachgeschoss Platz finden. Die in die Jahre gekommene Turnhalle an der Rückseite wird einem "tiefer gelegten", aus Stahlbeton errichteten und keramisch verkleideten Neubau weichen, der Horträume und eine als Aula für bis 600 Personen nutzbare Mehrzweckhalle aufnehmen wird. Der Clou: Das begehbare Dach macht die überbaute Fläche des Schulhofs wett und lädt die Schüler in den Pausen zum Aufenthalt im Freien ein.
Der Stein, der Regierungspräsident Walter Christian Steinbach und Vorstandsvorsitzenden Christopher Smith vom Herzen fiel, bringt nicht nur baulich allerhand ins Rollen. Durch die neuen Gegebenheiten wird es auch möglich sein, den Unterrichtsbereichen Informationstechnologie, Musik und Sprachen - hierbei vor allem Chinesisch - breiteren Raum zu geben, die Schülerzahl perspektivisch auf 720 zu steigern.
Die Leipzig International School besitzt seit 2002 den Ersatzschulstatus und ist eine Ganztagsschule, bestehend aus Vorschule (ab 3 Jahre), Grundschule (Klassen 1 bis 5) und Sekundarstufe (Klassen 6 bis 12). Die Unterrichtssprache ist Englisch, ab der 6. Klasse kann Französisch gewählt werden. Nachmittags werden Spanisch, Portugiesisch und Chinesisch in AGs angeboten. Die mittlere Reife kann nach Bestehen der Prüfungen des International General Certificate of Secondary Education (IGCSE) erworben werden. Mit dem Abschluss des International Baccalaureat (IB) erwerben die Schüler eine weltweit anerkannte Hochschulreife. Kleine Klassen, unterrichtende Muttersprachler - all das hat seinen Preis. So sind Schulgebühren zu entrichten, die aber im Vergleich mit internationalen Schulen in den alten Bundesländern nach eigenen Angaben erschwinglich seien.
Heiko Betat
Infos: www.intschool-leipzig.com


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