Ein Tierpark hat normalerweise Direktoren, Tierpfleger, Eintrittskartenverkäufer
Heiko Drechsler (44) ist alles in einer Person. Denn der Zoohändler erfüllte sich einen Lebenstraum. Er ist Herr über rund 400 Tiere und betreibt in Meißen einen eigenen Tierpark.Statt Elefant, Tiger & Co. hat Heiko Drechsler seine ganz persönliche tägliche Doku-Soap vor Augen: Känguru, Uhu & Co. Sie sind die Stars bei den Zuschauern.
Live und in Farbe können sie unter anderem beobachten, wie seit etwa sechs Monaten zwei Känguruweibchen jeweils ein Junges im Beutel tragen. Oder wie der 19 Jahre alte zahme Uhu Fritz seinem Herrchen aufs Wort folgt. Die vielen Ohs und Ahs, die Heiko Drechsler dabei hört, sind Balsam für seine Seele. "Ich kämpfe zwar täglich ums Überleben, aber ich bin glücklich dabei", bringt er es selbst auf den Punkt. Feuchte Augen bekam er einmal, als ihn ein Knirps bei einem Tierparkrundgang fragte: Du hast so viele schöne Tiere, willst du nicht mein Papa werden? Von da an wusste der dreifache Vater endgültig, warum er sieben Tage pro Woche, 365 Tage im Jahr von früh bis abends im Tierpark schuftet.
Mit Tieren wuchs er auf, mit Tieren verdiente der gelernte Zierpflanzengärtner nach der Wende sein Geld. "Ich eröffnete eine Zoohandlung und züchtete selbst verschiedene Vögel sowie Eichhörnchen und Nasenbären", erinnert sich der gebürtige Dresdner. Das Geschäft lief zunächst gut. Nicht zuletzt deshalb, weil er rund um die Zoohandlung einen kleinen Tierpark aufbaute. "Doch zunehmend kamen die Kunden nur noch zum Schauen, gekauft haben sie das Tierfutter in Supermärkten", musste er die bittere Erfahrung machen. Er suchte deshalb nach einer neuen tierischen Bewährungsprobe und fand sie im Tierpark Meißen beziehungsweise in dem, was von ihm noch übrig geblieben war: "Nämlich ein paar verhungerte Meerschweinchen und ein paar vietnamesische Hängebauchschweine. Der Tierpark wurde nach der Wende völlig heruntergewirtschaftet, verkam zur Müllgrube", beobachtete der Tierfreund. Deshalb zogen die Meißner Stadtväter die Notbremse und legten den Tierpark in die Hände von Heiko Drechsler. Er steckte seine ganzen Ersparnisse hinein, baute mit Bekannten und Verwandten Volieren und Ställe und tauschte Tiere aus der eigenen Zucht gegen Exoten. Innerhalb von nur zwei Jahren verwandelte er das einstige verkommene Anwesen in ein idyllisches, drei Hektar großes Paradies am Hang von Schloss Siebeneichen. So ganz "nebenbei" führt er sein Zoogeschäft weiter, setzte sich mit Anfang 40 noch einmal auf die Schulbank und lernte Tierpfleger. Oft arbeitet er bis zur Erschöpfung. Mehr Geld kommt trotzdem nicht in die chronisch leere Kasse. Denn Heiko Drechsler muss ohne Fördermittel auskommen. Das sprach sich bis zu den Volksmusikstars Stefanie Hertel und Stefan Mross herum. Sie gaben Ende 2006 ein Benefizkonzert und spendeten über 8000 Euro für den Tierpark. "In diesem Jahr möchte ich auch mit Tierpatenschaften beginnen", kündigt Heiko Drechsler an. Dabei ist er sich sicher, dass er besonders für seine Kängurus und für Uhu Fritz schnell Futter-Spender findet.
Thomas Gillmeister


Von Klassik bis Karate, von Jazz bis Jugendstil: Unsere Veranstaltungs- datenbank hat die Termine für Ihr Vergnügen.
Klassenkameraden gesucht - Teilnahmecoupon